Die Netzwelt

(Jennifer Haley, Landestheater Tübingen, 2017)

Mit: Mattea Cavic, Jürgen Herold, Laura Sauer, Gotthard Sinn, Raphael Westermeier

Regie: Sascha Bunge

Bühnenbild und Kostüme: Angelika Wedde

Musik: Stefan Faupel mit Tobias Weiß

Dramaturgie: Kerstin Grübmeyer

Fotos: Ingo Metz



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Nicht die frivole sexuelle Subkultur, nicht das "Rotlichtmilieu", sondern das provinzielle, oft bigotte Amerika ist die Avantgarde der Maschinisierung und Elektrifizierung der Lust. Und nicht die perverse Steigerung scheint in den meisten Fällen das Ziel der erfinderischen Fantasie, sondern der verzweifelte Versuch, Ehen und Beziehungen zu retten, Defizite zu kaschieren, die gute Nachbarschaft sexuell zu erhalten; die Sexmaschine, das gilt in dieser Szene als ausgemacht, ist kein Mittel der Selbstüberschreitung oder der Erweiterung, sie ist eine mit den vorhandenen technologischen Elementen erzeugte Abwehrmaßnahme; die Sexmaschine ist durch und durch konservativ geworden, die letzte Waffe, so scheint es, im Kampf gegen die erotische Liberalisierung und das Aufweichen der sexuellen Ordnung.

Georg Seeßlen